Wie wir Bellis gefunden haben und sie uns! Nun gibt es nur noch ein GEMEINSAM.

Alles begann im November 2014. Dazu muss man wissen, dass Marc (Skipper) schon als Kind an der Ostsee gesegelt ist und gesurft hat und vor 22 Jahren seinen einjährigen Grundwehrdienst auf der Gorch Fock mit der Columbus-Tour verbrachte und schon sehr früh die weite, weite Welt auf einem Segelschiff erkunden durfte.
Nach, wie gesagt, 22 Jahren hat sich nun die Stamm-Mannschaft in Herborn ein Stelldichein gegeben und so kam es, dass 74 Seebären sich nach langen Jahren der Abwesenheit freudig in die Arme fielen. Ein bisschen älter, reifer und doch noch immer noch mit der großen Sehnsucht nach dem Meer.
Alles war so auf- und anregend, dass Anja (Co-Skipperin, Smutje, Navi-Tussi, …) keine 3 Tage später nach dem Treffen sämtliche Motorbootsführerschein- und Segelscheinmöglichkeiten in ihrer Büromappe wiederfand, begleitet von einem freudigen Grinsen des Noch-Nicht-Skippers.
So dauerte es auch nur ganze 3 Tage und wir hatten uns in der Yachtschule Otto (Plochingen, bei Stuttgart)) für alle möglichen Führerscheine auf dem Wasser angemeldet. Am 31.01.2015 hatten wir unsere erste Motorbootfahrstunde auf dem Neckar (und das, wo Marc doch immer sagte, dass hier das Wasser aus dem Wasserhahn kommt und er niemals hier einen Führerschein machen wird – wir kommen beide aus Hamburg und da hat man ein anderes Bild von Wasser).
Innerhalb kürzester Zeit waren wir infiziert! So gingen dann auch ganz schnell die Träumerein über ein eigenes Schiff los. War natürlich utopisch und sollte einfach nur eine schöne Phantasiereise im Alltag sein. Ein Klassiker sollte es sein, Langkieler, Navi-Tisch wäre toll, genug Kojen für uns, die Kinder und den Hund, nicht zu klein und nicht zu groß, maximal 3 Meter breit – weiß man doch, dass in den Skandinavischen Hafenboxen es schwierig wird mit mehr als 3 Metern. Und so fanden wir über 3-4 Umwege unser Traumschiff … eine Hallberg-Rassy 31 Monsun … wäre das toll. Naja , ein Traum!
Bestanden waren bis Ostern 2015 dann schon der SFB-Motorbootführerschein und auch Funken in Deutsch (UBI) Englisch (SRC). Und so gönnten wir uns – wie in jedem Jahr zu Ostern – unseren Dänemark-Urlaub in einem Ferienhaus an der Nordsee nahe Ulfborg. Nachdem in Deutschland auf den Internetseiten die angebotenen HR M 31 unseren Geldbeutel sprengten unternahm Anja in Dänemark einen erneuten Versuch in der Hoffnung über einen skandinavischen Browser andere Anbieter zu finden. Unglaublich, da war tatsächlich seit 2 Tagen eine Hallberg-Rassy Monsun 31 in Björlanda Kile (nahe Göteborg) zu verkaufen.
Gesehen, geschrieben und in einer Nacht- und Nebelaktion um 01.00 Uhr nachts auf den Weg von Ulfborg nach Göteborg gemacht und alles am Ostersonntag. Wir kamen um 09:50 Uhr an und waren um 12.00 Uhr stolze Besitzer der Nr. 48 einer HR 31 Monsun und machten uns auf den 750-KM-langen Rückweg zum Ferienhaus – voller Hummeln im Bauch. Für Pfingsten hatten wir die See-Überführung von Göteborg nach Deutschland geplant. Hatten zu diesem Zeitpunkt aber noch gar keinen Heimathafen. Dazu muss man sagen, dass wir auf der Hinfahrt nach Dänemark morgens noch viel Zeit hatten und wir schon mal nach einem eventuell irgendwann mal in frage kommenden Hafen geschaut haben. Wir waren total begeistert von Marina Minde an der Flensburger Förde und uns war augenblicklich klar, wenn wir mal ein Schiff besitzen, dann wird es hier seinen Heimathafen bekommen. Genauso reibungslos lief am Ostermontag die Anfrage bei Marina Minde, ob sie einen Liegeplatz für unsere hübsche Schwedin haben. Keine 24 Stunden später lag uns das Angebot vor und wir haben sofort zugeschlagen. Unglaublich bis heute können wir nicht fassen wie spontan wir doch immer mal wieder sind.
Alles weitere zur Überführung der Bellis haben wir in Mails unseren Daheimgebliebenen geschrieben. Dies findet ihr auch hier in diesem Blog.

Tag 10

Das Wetter passte und so machten wir uns auf eine Sightseeing-Tour durch Südjütland. Gestartet in Assens (gesegelt), ab in den Als-Fjörd – auch noch gesegelt und rechts und links die wunderschönen Grundstücke und Häuser bewundert. Hier könnte man es gut aushalten.
Von da aus ab in den Als-Sund … hier war dann nix mehr mit Segeln. Zumindest zu schmal für uns – es schlängelt sich Backbord- und Steuerbordtonne verhältnismäßig eng durch den Sund, rechts und links ziemlich schnell, ziemlich flaches Wasser. Also sind wir mal wieder gemotort. Allerdings bei wunderschönem Wetter und mal nicht gegen die Wellen und den Wind – ganz ungewohntes Gefühl!
Jetzt kommt noch die Klappbrücke bei Sonderborg – das ist unsere Variable in der Routenplanung. Wo können wir wie anlegen, um die Zeit abzuwarten, bis der Brückenwärter bereit ist und ein Einsehen mit den wartenden Segelfahrzeugen hat. Wir kommen Richtung Brücke, hatten vorher alles für ein Anlegemanöver an Steuerbord vorbereitet …. und was sehen wir?!?
Im Kreis tanzende Segelschiffe vor der Klappbrücke – so ca. 4-5 Segelyachten und kein Steg zum Anlegen. Also blieb nur die Frage, wann öffnet sich diese Brücke? Laut Hafenhandbuch vom NV-Verlag gibt es eine Anzeige, die die Öffnung ankündigt. Anja das Fernglas in die Hand genommen und gesucht, gesucht, gesucht und da … gefunden. Um 16.00 Uhr sollte die Klappbrücke öffnen. Heeee, es ist doch schon 16.15 Uhr – keine deutsche Pünktlichkeit. Dann begannen Lichter zu blinken, sie zeigen an, dass die Durchfahrung vorbereitet wird … und da, die Brücke beginnt sich zu öffnen. Und ganz gesittet und geordnet in der Reihenfolge der Ankunft fuhren wir alle hindurch. Rechts und links sehen wir eine uralte, wunderschöne Stadt Sonderborg liegen. Hier müssen wir noch mal hin.
Den Als-Sund noch zu Ende motort und dann wieder die Segel gehisst und ab geht es in die Förde … der Heimathafen ruft. Den letzten Rest motoren wir, bei wunderschönem Wetter und ganz vielen Segelyachten in der Flensburger Förde und sehen erstmals unseren Hafen „Marina Minde“ vom Wasser aus. Die Vorbereitung an Bord laufen auf Höchsttouren … Fender liegen zum runterkicken bereit, Fenderleine liegt rechts und links unterhalb der Reling, Leinen vom Heck bis in die Mitte liegen bereit, um über unsere Box-Pfähle festzumachen. Bugleinen vorbereitet und ab geht es in unseren Hafen – Steg „H – Nr. 25“ finden – das ist jetzt die Herausforderung. Über die Web-Cam sah der Hafen gar nicht so besucht aus …. und jetzt liegt hier Yacht an Yacht. Wieder ganz langsam fahren wir in den Hafen ein, orientieren uns, fahren weiter und sehen unseren Steg „H“. Langsam Backbord abbiegen und Nummern zählen 51, 49, …. 37, 35 … „Marc langsam … hier ist die 25 und rum“. Backbordheckleine über den Pfahl geworfen, nach vorne gejumped, Leine in der Hand … ganz langsam nähern wir uns dem Steg. Anja wieder einmal mit Leine in der Hand, auch schon wieder so ein niedriger Steg, runtergehüpft und festgemacht. Ohne irgendwo anzuschlagen liegt unsere Bellis fest in ihrer neuen Heimatbox. Es ist mittlerweile 18.10 Uhr als wir die Bellis Richtung Hafenkontor verlassen … hier ist heute keiner mehr. Zur Feier des Tages gehen wir im „Sole y Mar“ bei uns im Hafen essen. Ein italienisches Restaurant, welches von einem Perser, Hassan, bewirtet wird. Ihn spreche ich dann auch gleich an, ob er eine Taxi-Telefonnummer für uns hat. Aber ab diesem Zeitpunkt brauchen wir uns um nichts mehr zu kümmern. Hassan ruft einen Freund in Flensburg an, der als Taxifahrer arbeitet und schon wird Marc morgen Früh um 06.00 Uhr abgeholt und zum Bahnhof gefahren, wo er dann planmäßig den Zug um 06:58 Uhr nimmt, um unser Auto in Göteborg abzuholen.
So endet nun unser Abenteuer „Überführung der Bellis von Schweden nach Marina Minde“. Vorenthalten möchte ich Euch aber nicht unsere finale Sanitäreinrichungsbewertung: Marine Minde hat mit Abstand die besten sanitären Anlagen, hell, sauber immer mit toller Radiomusik – modern und liebevoll eingerichtet. Piet ist von den Socken – wir auch!!!!
Danke Euch allen, für das Interesse an unserer Bellis und die Überfahrt. Schön, dass Ihr mit uns mitgefiebert habt und teilgenommen habt!
Wir freuen uns auf den Moment, in dem wir Euch persönlich berichten dürfen.
Liebe Grüße
Eure Seeziegen
Jette, Piet, Till, Marc und Anja
23.05. – 05.06.2015

Tag 9

Moin, Moin,

bin mir immer noch nicht sicher, ob Euch meine E-Mails erreichen?!?
Aber wenn ich es erst einmal geschrieben habe, kann ich es ja zumindest im Nachhinein noch einmal an alle versenden, auch wenn es dann den eigentlichen Zweck – Euch auf dem Laufenden zu halten – verfehlt hat.

Tag 9
Wir hatten am Vorabend noch alles gecheckt für die Weiterfahrt gleich am nächsten Morgen, wohlwissend, dass das Wetter sich verändern sollte. Vom Kattegat her kamen Sturmwarnungen und unsere Wetterprognose aus dem Internet zeigte vom Kattegat kommend Windstärken in den höheren Bereichen an, sodass es unsere Idee war, noch vor dem Sturm vorweg zu segeln. Hier bei uns im Belt und Sund sah es vormittags laut Prognose noch gut aus.
Tja, so viel zu dem Plan … morgens merkten wir schon am vehementen Anklopfen des Regens an die Bellis und den doch ziemlich spürbaren Windböen, dass an eine Weiterfahrt heute nicht zu denken war. Auch gut, dann doch einen schönen Tag in Assens.
Also ausgiebig auch hier die sanitären Einrichtungen in Augenschein genommen, und nicht nur das, wir haben sie auch benutzt. Männlein und Weiblein sind hier getrennt. Alles funktional, aber auch hier dürfte mal wieder Hand im Sinne von Renovierung angelegt werden. Ansonsten sind aber die Duschen und der Waschbeckenbereich verhältnismäßig großzügig gestaltet. Zumindest für die Vorsaison. Ich frage mich immer, wie das hier wohl überall aussieht, wenn Hochsaison ist?!
Die Duschen funktionieren hier mal ganz anders, d. h. natürlich nicht die Duschen, sondern das Abrechnungsverfahren. Karte in den Automaten gesteckt und dann wird für jede 30 Sekunden 1 DKK abgezogen. Toll fand ich, dass man auf einen Sensorknopf an der Dusche drücken konnte und somit die Dusche und Zeit angehalten wurde.

Marc, Piet und Jette sind nach dem Duschen zum Brötchen holen mit dem Fahrrad gefahren . Ihr habt richtig gelesen: mit dem Fahrrad!!! Das ist doch mal eine tolle Einrichtung: Vor dem Hafenkontor stehen mehrere Fahrräder, die man sich kostenlos nehmen und damit rumfahren darf. Piet hatte großen Spaß daran. Es handelt sich um sehr einfache Fahrräder, aber immerhin.

Wir haben dann ausgiebig gefrühstückt (den leckeren Shrimpssalat und die Fischleckereien noch aus Juelsminde), klar Schiff gemacht und dann das Meilenbuch für unseren Stempel vorbereitet.
Ab dann zum Hafenkontor, stempeln lassen und gleich weiter in den Marina-Shop hier im Hafen von Assens. Der war mal richtig gut durchsortiert – von Pantryausstattung inkl. Gasherd, Tischdecken, GESCHIRR (wieder unseres! um 8 Wassergläser und 4 Kaffeebecher erweitert), Teakeinrichtungsgegenständen für die Segelyacht, über Signalmittel, Fender …, Klamotten bis hin sogar zu Bordtoiletten. Nebenbei unterhält der Inhaber auch noch gleich hinten eine Segelmacherei.
Hat Spaß gemacht – hier rum zu stöbern. Dann weiter in den Stadtkern von Assens, der unmittelbar an den Yachthafen anschließt. Ist DAS ein schöner Ort!!! Lauter alte Häuser beginnend aus dem 16. Jahrhundert. Da hängt Haus an Haus. Größere und längere, flachere und kleinere reiht sich ein Haus an das nächste. Zwischenräume gibt es da keine und alle sind sie total saniert und hergerichtet. Mittendrin auf einmal Häuser, die einen riesigen Hinterhof haben und das Gebäude ist im Karree mit eigenem Innenhof erbaut und darin befinden sich dann auch weitere Geschäfte. Hierbei handelt es sich um die alten Kaufmannshöfe und man erahnt noch den Flair und das Treiben der alten Handelsstadt. Einfach nur schön und bewundernswert.

Auf dem Rückweg haben wir dann noch einmal bei unserem Superbrugsen (Supermarkt) Halt gemacht, um noch ein paar Lebensmittel einzukaufen und dann ab auf die Bellis.
Hier haben wir den Nachmittag rumgeschlonzt und Jette’s 8. Geburtstag gefeiert – habe im Supermarkt für sie „Fiskesandwich“ für den Hund als Leckerli gekauft. Sie liebt die Dinger.

Ansonsten haben wir uns mit der Ankunft in Marina Minde beschäftigt und den Törn von Marina Minde nach Göteborg (Abholen unseres Autos) geplant. Da ich in unserem Heimathafen dann schon einmal die Sachen für die Abfahrt vorbereiten soll, haben wir uns entschlossen, dass Marc den Landi abholt. Um 6.58 Uhr geht von Flensburg ein Zug über Kopenhagen nach Göteborg, der dann um 15.20 Uhr ankommt. Dort wird Marc dann von Bengt abholt und zum unserem Auto gebracht, was ja bei ihnen vor der Haustür derzeit geparkt ist. Wir gehen davon aus, dass sie noch einen Moment quatschen werden und dann muss Marc aber los. Die Strecke dauert zwar nicht so lang wie mit einer Segelyacht, aber 6 Stunden werden es auch bis nach Flensburg sein. Damit wäre der Donnerstag dann auch rum und am Freitag kommt Till um 13.15 Uhr aus Bournemonth (Südengland) zurück. Also werden wir die Tante von Denis (Tills bester Freund, der mit in Südengland ist) bitten, die Jungs abzuholen und erst einmal mit nach Schwaikheim zu nehmen. Denis Eltern kommen nämlich auch erst am Samstag aus ihrem Urlaub zurück. Wir sammeln Till dann auf der Rückfahrt ein.
So der Plan. Mal schauen, ob es sich alles so realisiert – erst einmal muss jetzt das Wetter am Mittwoch stimmen, damit wir von Assens nach Marina Minde segeln können.

Drückt uns die Daumen, liebe Grüße
Eure Seeziegen von der Bellis

Tag 8

Trotz schlechter Windvorhersage machen wir uns auf den Weg, da die Zeit so langsam knapp wird und vor allem für die kommenden 2 Tage Sturmwarnungen herausgegeben wurden. Also nichts wie noch einmal schön duschen für 30 DKK, unser super Fischfrühstück und schon ging es dran, die Bellis seeklar zu machen. Alles in allem dauerte es bis ca. 09.30 Uhr und standen vor unserem allseits beliebten Ablegemanöver. Wie das vonstatten geht? 3 Steinkühlers stecken die Köpfe zusammen und besprechen Punkt für Punkt in der chronologischen Abfolge, wer, was zu machen hat. Und wen wundert es nun, dass das Ablegemanöver ein voller Erfolg war?!? Super raus aus der Box und dem Hafen – wieder in Ansteuerung auf die Kardinaltonne Südumfahrung mit gradlinigem Kurs auf Frederica. Eines noch zur Kardinaltonne – das sind ja die, die vor Untiefen oder gefährlichen Schifffahrtshindernissen warnen und die sichere Umfahrung ermöglichen sollen. Wer in Gottes Namen hat denn diese „Tonnen“ zugelassen? Und, das darf man eigentlich so gar nicht nennen (Tonnen), weil es ist ja teilweise nur ein armdicker schwarz-gelber Stecken, dem das Toppzeichen meist auch noch völlig scheep herunterhängt, wenn es überhaupt noch da ist. Da loben wir uns doch sehr die Back- und Steuerbordtonnen, die kann man zumindest mehr als 50 Meter weit sehen.

Doch wieder zurück zu unserem Törn von Juelsminde nach Assens! 38 Seemeilen liegen vor uns und die große Hoffnung doch endlich mal wieder zu segeln. Und was macht das Wetter bzw. der Wind???? Ich kann Euch das sagen. Gefühlte 27 mal in 2 Stunden kam von meinem Kapitän immer wieder: „Und der Wind kommt wieder voll von Süd“ (also von vorn). Was hieß das für uns wiederum …. unter Motor gegen die Wellen anstampfen …. rauf, runter, rauf, runter. Oh nein, so hatten wir uns unsere Überführung der Bellis wirklich nicht vorgestellt. Gott sei Dank war heute das Wetter gnädiger. Wir hatten Sonnenschein und die Dünung und Wellen waren nicht so hoch wie die Vortage. Insofern war das Motoren sicherlich nicht toll, aber auszuhalten.

Auf der Hinfahrt im Auto bei Frederica, haben wir Piet noch von der Brücke herunter auf die Ostsee gezeigt und gesagt: „Auf der Rückfahrt mit der Bellis fahren wir hier durch!“ Und da waren wir nun, nicht segelnd aber zumindest unter der Brücke. Hier ging es jetzt im Zickzackkurs durch 2 Brücken mit heftigem Querwasser und starker Strömung und vielen Seglern, die von Süd nach Nord SEGELTEN und zu allem Übel durften wir denen auch noch ausweichen (als Maschinenfahrzeug). Das Leben kann doch manchmal grausam sein.

Ab Faenö aber hatte der Wind ein Einsehen mit uns und wir fuhren die Genua voll aus, Motor aus und ab dafür. Die nächsten 20 Seemeilen gehörten der Bellis und ihrem Spiel mit dem Wind. Bei 4 -5 Windstärken, Böen 6 machte die Bellis wieder zwischen 6 und 7 Knoten und glitt dahin, wofür sie geschaffen ist. 2,5 Honigkuchenpferde in der Pflicht (Marc, Anja und Jette – die auch – ich schrieb es bereits, viel lieber segelt als motort. Piet hatte es sich unter Deck gemütlich gemacht und hat wohl mitbekommen, dass wir jetzt segeln, fand es aber schöner unten zu bleiben.

Und so liefen wir gegen 17.00 Uhr in den Hafen von Assens ein. LANGSAM, sehr, sehr LANGSAM. Wir wussten, dass es für die Gastlieger einen langen Steg gleich zu Beginn des Hafenbeckens geben sollte. Also hatten Marc und ich bereits alles für ein Steuerbordanlegmanöver vorbereiten – wie wissen ja jetzt wie wichtig das ist. Fahren in den Hafen rein … und was soll ich Euch schreiben, haben die Idioten doch wieder Boxen installiert. Zu Anfang so hohe Pfähle, dass wir da gar nicht rankommen, die etwas tieferen Pfähle lagen weiter hinten, da sollte doch aber das Wasser viel flacher sein (2 Meter). Uns so kam es, dass die Bellis Pirouetten im alten Hafenbecken von Assens tanzte.
Alles umorganisiert, uns gegenseitig immer Ruhe zusprechend haben wir uns zielsicher eine „grüne“ Box ausgesucht. Der Wind kommt wieder voll von der falschen Seite – schon wieder SÜD.

Das Anlegemanöver hat insgesamt 45 Minuten gedauert, wir haben quergelegen, aber es aus eigener Kraft und mit guter Strategie geschafft, das Bug auch Richtung Steg zu bewegen, so dass ich dann auch rüberspringen und die Leine am Festmacher anlegen konnte. Nun sollten das ja alles Gastliegeplätze sein (grün) und um so verwunderter waren wir dann, als wir auf einem „roten“ Platz lagen. Schilder und Dalben passten irgendwie gar nicht zusammen und waren „leicht“ (total untertrieben) versetzt. Wisst Ihr eigentlich wie toll und funktional so eine Winsch ist?!
Kurzum um 18.00 Uhr lagen wir in unserer Box ohne eine einzige Blessur und Ihr hättet 3 stolze Seeziegen über alle Backen grinsen und gratulieren sehen können. Jette hat sich dezent aus diesem Manöver rausgehalten.

Marc und ich sind dann wieder gleich ins Hafenkontor, Liegegebühr bezahlt, Hafenkarte gezogen und mit der Jette noch an den Ostseestrand von Assens. Wir wissen nun, warum diese Gegend die „Dänische Südsee“ genannt wird. Leute, dass ist einfach ein Traum. Es scheint, als ob wir lagunenfarbenes Wasser haben, dass sich in seichten Buchten hinschlängelt, blauer Himmel, Sonnenschein, wenig Wind … und es war warm!!!!

Selig sitzen wir nun nach „Spaghetti Bolognese“ hier, trinken wieder mal ein schönes Glas Rotwein und lassen diesen wunderschönen Segeltag ausklingen.
In diesem Sinne, setzt Euch in die Sonne und trinkt einen – entweder auf Euch oder auch gerne auf uns!

Liebe Grüße von der Bellis-Crew

Tag 7

Aufgrund des wieder „falschen Windes“ (Süd) und heftigen Böen, blieben wir sehr gerne in Juelsminde. Morgens erst einmal wieder unsere obligatorische Sanitäranlagenprüfung und -bewertung. Wir entschieden uns für eine Familienkabine – extrem großzügig, sauber und modernisiert. So duschten wir mit einer „Handbrause“ (Anja war völlig aus dem Häuschen) schön heiß unsere 30 Kronen ab – vielmehr Piet duschte sie ab, aber wir sind alle sauber geworden. Danach entdeckten wir gleich neben unserer Familienkabine den Waschmaschinen- und Trocknerraum – einfach toll. Nagelneue Miele-Geräte, was sofortigen Impuls bei Anja nach sauberer Wäsche auslöste (der Beutel mit den benutzen Klamotten war auch schon ziemlich gefüllt. Also kurzer Hand für ganz 20 DKK die Miiieeelllleeee-Waschmaschine angeschmissen und den Rest, der Maschine überlassen. Marc, Jette und ich sind dann anschließend durch den Ort Juelsminde gewandert und haben den Bäcker in der Juelsgade gesucht und auch gleich gefunden. Was für hübsche Häuser, ein wirklich schnuckeliger Ort. Brötchen für 2 Tage gekauft, wollen ja morgen weiter, dann backen wir in unserem Gasofen auf. Schräg gegenüber war noch ein Rema1000 (Supermarkt), in dem ich dann noch unser Kühlfach in der Bellis aufgefüllt habe, da meine Herren noch mal riesen Appetit auf meine Spaghetti Bolognese hatten. Zurück zum Boot, gefrühstückt und Meilenbuch für den Hafenmeister und unseren mittlerweile wichtigen Stempel vorbereitet. Der Hafenmeister ist nur zwischen 11 und 12 Uhr erreichbar. Passte ja auch ganz gut mit der Wäsche, die sollte dann ja bereits fertig sein. Wäsche nach kleinem Intermezzo aus der Waschmaschine umgepackt in den Trockner und Stempel abgeholt, neue Hafenplakette gezogen und durch den Hafen mit Marc geschlendert. Vorher ein leckeres Eis (2 Kugeln) für jeden auf die Hand und die Tankstelle im Hafen begutachtet. Nach der langen motorisierten Gurkerei vom Vortag hatte die Bellis ein wenig Durst. Um nicht andauernd Hafenmanöver üben zu dürfen, sind wir dazu übergangen, unsere 2 Kanister (Füllmenge ca. 10,5 Liter) zu nehmen und gerne Spaziergänge zu unternehmen ;o) – Marc ist heute 3 Mal gelaufen, und Jetta war ein bisschen durcheinander – 3 x den selben Weg hintereinander?!? … hihihi!

Mir ging es heute nicht so gut, alles tat weh: beide Knie, rechter Fersensporn, linke Hüfte, linke Schulter und alle Finger hatten wieder gefühlt Arthritis, Gicht und Rheuma gleichzeitig. Marc brauchte heute ein ganz schön dickes Fell, aber auch dass ging irgendwann aus … ich glaube, heute hätte er mich gerne zurückgegeben!

Nochmal in den Ort und im hiesigen Fischladen super guten, frischen Fisch eingekauft … Lachsstremel mit Chilli und Pfeffer, Shrimpssalat und unseren sehr geliebten roten Heringssalat, schluck … da läuft doch schon gleich wieder das Wasser im Munde zusammen.

Der Juelsminder Hafen hat ein wunderschönes Restaurant „Paa Havenen“, dass hatte es Marc schon den Vorabend angetan und so sind wir denn abends noch lecker essen gegangen. Nachts hat es wie aus Eimern geschüttet und irre Windböen trieben sich um uns rum. Lag eine Stunde wach, weil ich dachte: Gleich habe ich nasse Füße. Die ich natürlich nicht bekommen habe. Regen hörte auf und auch Anja verabschiedete sich in das Land der Träume. Morgens um 5.35 Uhr Blick durch unser Dachfenster in der Bugkabine und strahlend blauen Himmel voraus. Ein guter Tag zur Weiterfahrt!

Tag 6

Tag 6
Pünktlich aufgestanden und doch hat es bis 8.15 Uhr gedauert bis wir unser Ablegemanöver eingeleitet haben. Das hat vorbildlich geklappt und so freuten wir uns auf einen schönen Segeltag. Unter Motor dann raus aus dem Hafen und die Untiefen noch umschifft. Pünktlich um 8.45 Uhr wurde dann die Genua ausgefahren, vor uns lagen 53 sm – unser Ziel: Juelsminde. Eigentlich sollte unser nächster Stopp die Insel Tunö sein, die zwischen dem Festland und der Insel Samsö liegt. Da wir jedoch 2 Tage in Grenaa unterbrechen mussten, brauchen wir jetzt ein paar mehr Seemeilen auf unserer Streckenplanung – also Route um 13 sm verlängert.

Zu erst klappte es auch ganz gut mit dem Segeln, aber irgendwie war der Wind nicht beständig und drehte immer mehr Richtung Süd, hinzu kamen noch sehr unangenehme Böen, die unsere Bellis bis über 45° kränken ließen. Laut Marc für die „Bellis“ und ihn kein Problem … aber für mich! Sitze vor dem Garmin (Seenavigationsgerät/Plotter), halte mich krampfhaft fest, sehe durch das mittlerweile unter mir liegende Kajütfenster auf der gegenüberliegenden Seite und sehe das Wasser immer schön fleißig über unsere Reling laufen. Dann die Böen, die gar nicht aufhören. Lieber Gott, wann kommt der nächste Moment, wo sich die Bellis wieder in eine normale Kränkung bewegt????
Marc hat ein Einsehen und holt die Genua ein und startet nach gut 3,5 Stunden „Segeln“ (ca. 20 sm) den Motor. Mittlerweile kam der Wind genau aus Süd, also der Richtung wo wir hin wollten. Wellen, Wind und Böen von vorne, das Wasser spritzt auf die Scheibe und die Sprayhood. Marc klatscht das Wasser ins Gesicht, Piet und ich sitzen unter der Spayhood, die aber ihren Widerstand gegen das Wasser dann auch nach 3 Stunden aufgab und das Wasser durchtropfen ließ. Aber immer noch besser als auf dem Platz von Marc. Ab und zu kamen uns Segler aus Süd entgegen, denen man den Spaß am Segeln förmlich ansehen konnte. Kaum vorstellbar, dass es an ein- und derselben Stelle so unterschiedliche Perspektiven auf das „Segeln“ gibt. Wir stampfen gegen die Wellen an, Wellenkamm … die Bellis taucht tief ein, um im nächsten Moment wieder oben am Wellenkamm nach vorne zu schauen. Einzig der Wille heute Juelsminde zu erreichen treibt uns vorwärts. Piet ist total toll, er nimmt das alles völlig gelassen. Verbringt sogar die letzten 3 Stunden unter Deck und hat Spaß (Elektronik sei Dank).
Nach 12 Stunden erreichen wir Juelsminde. Unser Plan längsseits an der Mole anzulegen war bereits morgens vorgesprochen worden. So bereiteten wir denn auch alles 1 sm vor dem Hafen dafür vor: Fender alle an die Steuerbordseite, Leinen hinten und vorne klar. Anja wusste, was sie zu tun hatten – Marc trug die Verantwortung!
Rein in den Hafen und … oh nein, die Mole ist voll belegt … oh je, schon wieder in so eine Box??????
Tja und so gurkten wir so ein bisschen im Hafen herum, der extrem groß und voll schien. Oh je, lieber Gott bitte nicht schon wieder so eine enge Box!!!!
Und dann sahen wir sie … unsere Box (3-4 Boxen waren frei). Sie war mindestens 4 Meter breit und 14 Meter lang – wie für uns gemacht ;o). Strategie vom Vorabend ausgepackt, Anja in der Mitte des Schiffs, mit der Heckleine in der Hand, den hinteren Backbordpfahl ins Visier genommen und übergeworfen. Auf Anhieb geklappt – Marc hält die Bellis stabil. Anja nach vorne gewetzt mit der Backbordbugleine in der Hand – und schon wieder so ein tiefer Steg. Egal, ob ich mir die Haxen breche oder nicht, dieses Hafenmanöver muss einfach ein Erfolg werden!!! Mit einem beherzten Sprung über den Bug, die Leine fest in der Hand und am Stegpfahl festgemacht. Wir sind stabil und nirgendwo angedockt. Juchuuu, Marc übernimmt mit tatkräftiger Unterstützung von Piet – er macht seinen Job wirklich toll! Innerhalb der nächsten 30 Minuten sind wir vollständig fest und Marc und ich gehen mit Jette spazieren (im Übrigen segelt sie auch viel lieber, als das sie unter Motor fährt), lösen die Liegegebühr und ziehen uns die bereits bekannten Hafenkarten. Hier sind die Liegegebühren vergleichsweise günstig nur 160 DKK für eine Nacht, dafür ist aber kein Strom enthalten, diesen muss man über einen Automaten am Steg über Hafenkarte kaufen – 10 KW für 25 DKK. Wenn wir gerade bei den Kosten sind: Duschen auch der obligatorische Preis, aber nur noch 3 Minuten. Je südlicher wir kommen, verkürzen sich die Duschzeiten (hatten wir in Laesö noch 5 Minuten Zeit für 10 DKK sauber zu werden, waren es in Hals und Grenaa noch 4 Minuten – wie gut dass wir in spätestens 3 Törns in unserem Heimathafen sind, sonst würden wir der Regel folgend für 10 DKK 0 Minuten duschen dürfen).

Wir haben noch einen kurzen Blick in den Hafen von Juelsminde geworfen – wirklich ein sehr schöner Ort, in dem wir nicht das letzte Mal waren. Die Anstrengungen dieses Tages aber forderten ihren Tribut. Noch eine heiße Hühnersuppe mit Nudeln und Brot verdrückt, kleines Gläschen Rotwein (natürlich nur Marc und Anja) und dann gegen 22.30 Uhr todmüde ab ins Bett (Anja). Marc und Piet haben noch länger durchgehalten – bei ihnen ging das Licht erst gegen 23 Uhr aus. Gute Nacht!

Tag 5

2. voller Tag in Grenaa, da immer noch Südwind und starke Böen – aber Aussicht auf Besserung: Morgen soll der Wind drehen.
Hier ein kleiner Bericht zu den Sanitäreneinrichtungen – dies hat sich Piet zur Aufgabe gemacht: Bewertung der Häfen nach ihren sanitären Einrichtungen.
Nach dem wir den ersten Tag, die etwas weiter entfernten sanitären Einrichtungen aufgesucht haben – wir haben die näheren gar nicht gekannt und deshalb auch nicht gesucht – waren wir in einer Familiendusche. Absolut gewöhnungsbedürftig …. 1 Waschbecken, 2 Duschen und zu meinem Frust wieder Duschköpfe von oben (keine Handbrause – ätzend). Naja, egal wird schon gehen. Anja also rein in die Dusche 1 – Hafenkarte (die man vorher kauft, auflädt und dann damit für 10 Kronen für 4 Minuten duschen kann) in den Duschautomaten gesteckt. Den Wasserhahn aufgedreht und …. eeeeiiiissssskaaaaallllttttt, brrrrhhhh.
Karte gezogen und dann Dusche 2 probiert, zumindest hier konnte man 3 Grad über lauwarm „duschen“. Diese Räumlichkeit war schon ganz schön ausgedient und hatte ihre Jahrzehnte auf dem Buckel. Hier könnte Grenaa mal investieren. Als wir am Vortag beim Hafenmeister waren, zeigte er uns noch weitere Duschmöglichkeiten, die bei unserem Boot direkt um die Ecke waren. Kein Vergleich mit denen vom Vortag! Somit begann der 2. Tag in Grenaa, was das Duschen anging – viel versöhnlicher ;o).

Bin mit Piet dann in die Stadt von Grenaa, um Brötchen zu holen – Marc ist anstelle dessen mit Jette Gassi gegangen. Nach einem gemütlichen ausgiebigen Frühstück sind Marc und ich wieder nach Grenaa rein, weil wir dort einen Segelmacher mit Yachtausrüstung aufgetan haben und noch ein paar Dinge für unsere Bellis brauchten (Ankerball, Flaggenklampe für unsere „Kreuzer-Abteilungs-Flagge“, Politur und Reinigungsmittel. By the way fand ich dann unser Geschirr, was bereits an Bord vorhanden war und habe kurzerhand aufgerüstet.

Dann haben wir Bellis Blessuren (verunglücktes Hafenmanöver) ein wenig behoben. Zum Abend hin noch mal Wetter gecheckt – ja, es soll Westwind geben und Wind um die Stärke 4 – 5 – ideale Bedingungen. Also Route überprüft und noch ein wenig angepasst. Im übrigen hat Marc in Deutschland ein ganz tolles Buch gekauft, was wir vor lauter Lernen auf die Bootsführerscheine noch nicht intensiver anschauen konnten. Das haben wir aber diesen Abend sehr intensiv studiert: „Hafenmanöver – Schritt für Schritt“. Darin sind so viele Hafenmanöver, dass man danach genauso schlau wie vorher ist. Aber in der Fokussierung liegt unsere Strategie und so haben wir ein bis zwei Handlungsabläufe für uns verinnerlicht, die wir dann morgen mal ausprobieren wollen.
Ansonsten haben wir alles für die frühe Abreise vorbereitet. Wecker auf 05.30 Uhr gestellt, damit wir pünktlich um 7.00 Uhr starten können und ab in die Koje.

Tag 4

Ahoi,
erst einmal vielen Dank an alle, die auf unsere erste Mail reagiert haben. Tut echt gut von Euch zu lesen und zuhören. Dir, lieber Olaf, herzlichen Dank für die tollen Hafenmanövertipps und die sehr aufmunternden Worte … sie haben wirklich richtig gut getan!

Tag 4
Wie schon angedeutet, wollte das Wetter bzw. der Wind nicht so wie wir wollten und so blieben wir in Grenaa (Südwind und starke Böen). Was aber auch nicht so schlimm war, da wir Greena ja bereits von unseren anderen Dänemarkaufenthalten her kannten. Hier sind wir bereits 2x gewesen, um das Kattegat Center zu besuchen. Kennt Ihr das Kattegat-Center?!? Nein?! Es ist ein riesiges Aquarium direkt an der Ostsee gelegen. Hier gibt es ein riesiges Hai- und Rochenaquarium. Dieses hat unterhalb des Haibeckens eine durchsichtige Untertunnelung, unter der man die Haie, Pilotfische oder Rochen von unten ansehen kann. Einfach fantastisch – und im Übrigen seit vielen Jahren Piet’s Lieblingsort und so war es nicht verwunderlich, dass sich Piet ein riesen Loch in den Bauch gefreut hat, als wir ihn mit einem Besuch dorthin überraschten. Als wir auf dem Weg dahin waren, standen überall um das Kattegat-Center Kameras und ein ganzes Filmteam drehte dort einen Film … und wir mittendrin (habe aber auf Gage verzichtet). Der Besuch im Center war wieder richtig toll und hat uns allen dreien viel Spaß gemacht.
Noch kurz beim Hafenmeister vorbeigeschaut, Stempel für die Meilenbücher abgeholt und ein bisschen Smalltalk gehalten. Die Hafenmeister, die wir bisher kennengelernt haben sind echt richtig nett.
Den Rest des Tages haben wir einfach mal ein bisschen ruhiger angehen lassen. Allerdings haben wir die Grundversorgung von Bellis noch vorgenommen (Dieseltank aufgefüllt, Wassertank aufgefüllt und unter Deck ein bisschen klar Schiff gemacht. Ach ja, und die alte schwedische Bezeichnung von Bellis haben wir entfernt (AWK 14).

Etwas lästig sind die doch einigermaßen langen Wege zu Brötchen und Lebensmitteln – da rennt man aus dem Yachthafen, an den Fähren vorbei, um dann nach einigen, vielen Metern im „Zentrum“ von Grenaa zu stehen. Die Brötchen allerdings waren lecker und lohnten den Weg. Weshalb ich wegen ein paar Metern andeutungsweise quarke???? Ganz einfach, mein Körper tut überall weh … ich weiß gar nicht, woher das kommt. Die Finger und deren Gelenke fühlen sich an, als ob ich Gicht, Arthrose und Rheuma gleichzeitig habe. Zu dem tun mir meine Knie weh und mein Fersensporn rechts macht mir mein Leben zur Hölle. Oh, kann ich schön jammern (aber es fühlt sich echt an, als ob ich über Nacht 20 Jahre gealtert bin) – ist das so beim Segeln????
Insofern rechtzeitig heute in die Koje – kurz noch Wetter gecheckt und festgestellt: auch morgen wird ein Hafentag

Tag 3

Heute Morgen wurden wir schon durch ein etwas deutlicheres Schaukeln in der Koje geweckt, der Wind pfiff durch die Wanten und ließ nichts Gutes verheißen. Sonnenschein, blauer Himmel – aber Windböen, die es in sich hatten. So ließen wir uns dann auch schön Zeit beim Duschen und Frühstücken. Der Hafen sollte ja W-lan haben, dies wurde uns irgendwie zum Verhängnis, es funktionierte keines mehr unserer vielen Apple-Geräte. Einzig mein iPhone leistet noch Dienst, so dauerte es auch entsprechend bis wir das Wetter checken konnten. Da … auf einmal sollte sich das Wetter beruhigen und bei 4 -5 Windstärken mit genialem Westwind wurden schnell die Sachen gepackt, noch ein Stempel im Meilenbuch beim Hafenmeister abholt. Erfahren, dass in der Nacht ins Hafenkontor eingebrochen wurde – alles Bargeld weg! Echt ein Hammer, vor den Langfingern ist man nicht einmal im Hafen sicher – warum auch?!? Die gibt es halt überall.

Aber weiter, schnell wurde das Schiff startklar gemacht, wir ab in unsere Offshore-Kleidung (Jette nur in die Schwimmweste, Offshore-Kleidung haben wir für sie noch nicht ;o)). Im Übrigen ist Jette der absolute „See“-Hund -sie genießt das Segeln total. Ist doch eine echte Steinkühler, die Jette.

Ob Ihr es glaubt oder nicht – unser Hafenmanöver hat heute echt super geklappt. Um 11.30 Uhr raus aus der engen Box – rückwärts, dann eingeschlagen und raus aus dem Hafen von Hals – tschüss!
Wieder unter Motor, diesmal aber mit Wellen- und Rückenwind waren wir nach 30 Minuten an allen Untiefen vorbei und hatten tiefes Wasser und super Westwind vor uns. Wir hatten ganz schönen Wind, so dass wir uns „nur“ für die Genua entschieden und die auch nur teilweise so ca. 50% geöffnet haben. Aber alleine damit bekamen wir zwischen 5 und 8 Knoten (lt. GPS) Geschwindigkeit hin. Die Bellis rennt wie verrückt – macht total viel Spaß. Der Kurs liegt an 147° und ab geht es die nächsten 45 sm abreißen. Zu Beginn war der Wind echt heftig und wir hatten ganz schön mit Böen zu tun, dazu kamen so um die 2 Meter hohe Wellen von achtern und Steuerbord achteraus. Es machte irre Spass und wir legten Stecke zurück – unglaublich. Nach ca. 3 Stunden flaute dann der Wind ein wenig ab – wir öffnete die Genau vollständig (lief wie Schmitz Katze), so dass wir in etwas ruhigerem Wasser noch 5 – 6 Knoten machten. Ca. 8 – 10 sm vor Grenaa machte uns der Wind dann in Form von heftigen Böen zu schaffen, er schmiss das Boot mal eben um 10 – 20 ° Richtung Steuerbord, so dass wir zielsicher auf den Leuchtturm zu hielten. Konnten das natürlich immer wieder gut korrigieren, aber da merkt man erst einmal welche Urgewalt der Wind ist. Dann endlich um 18.30 Uhr in der Ansteuerung auf Grenaa – etwas weniger Wind. In der Hoffnung, dass dann auch das bevorstehende Hafenmanöver gelingt. Ist ja mittlerweile unsere Angstpartie.

Es waren dann auch ein paar Boxen frei und wir unternahmen mutig unseren erneuten Versuch des Hafenmanövers …. mehr erzählen wir hier nicht, den Rest dazu erzählen wir, wenn Ihr uns zu Hause darauf ansprecht.

Für morgen ist nun endgültig schlechtes Wetter prognostiziert, so dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, hier einen weitern Tag zu verbringen. Mal schauen – wir kennen Grenaa ja schon von unseren Dänemarkbesuchen. Hier gibt es das bekannte Kattegat-Centre – ein totales Erlebnis für Groß und Klein – in einem riesigen Aquarium schwimmen im Tunnel Hai über Dich hinweg. Es ist Piet’s absolutes Superaquarium – also sollten wir eine Zwangspause einlegen müssen, dann wisst Ihr ja, wo ihr uns morgen findet ;o).

So, bis demnächst, viele liebe Grüße
Marc, Piet, Jette und Anja

Tag 1 und 2

Hallo Ihr Lieben,
gestern waren wir einfach zu geschafft, um noch etwas zu schreiben. Aber dafür heute für 2 Tage.
Der Start in Björlanda Kile war nicht ganz so einfach, lässt sich doch ein so großes Schiff nicht so einfach manövrieren wie ein kleines Motorboot … und so hatten wir ganz schöne Probleme aus der Box zu kommen (ein bisschen sind wir angeditscht – aber nicht weiter erzählen). Dann raus in die Ostsee mit so vielen Steinen und Schären, die da aus dem Wasser ragen. Viel navigieren war da angesagt und vorbei ging es erst unter Motor bis Björko, dann wurden die Segel gehisst. Tolles Wetter – Sonnenschein nur der Wind wollte nicht aus der Richtung kommen, wie er eigentlich laut Wetterbericht sollte. Tolle Landschaft, eigentlich viel zu schade, dass wir uns schon auf den Weg nach Süden machen müssen – aber die Zeit drängt (Urlaub befristet und Till kommt aus dem Englandurlaub am Freitag, 05.06. zurück und da sollten wir halt zu Hause sein. Naja, es gibt noch eine Notlösung, falls wir es nicht schaffen – aber wir haben ZIELE!!!!)
Naja, lange Rede kurzer Sinn: Der 1. Tag war echt heftig, noch sind Marc und ich nicht eingespielt und überhaupt für mich ist das Segeln absolutes Neuland und nach 6 Stunden auf dem Neckar mit einer kleinen Jolle ist das hier schon etwas ganz anderes! Erschwerend kommt für mich hinzu, dass Marc da vorne immer rumturnt und ich ganz schön Angst habe, durch meine Manöver ihn mal kurzerhand über Bord zu kicken. Gott sei Dank pickt Marc sich immer ein und ist wirklich sehr sorgsam mit der Sicherheit.
Also in aller Kürze zum ersten Tag: erst Motor, dann unter Segeln, Wind drehend und dann nicht so wie vorhergesagt, dann extra Schleifen auf dem Wasser gedreht, weil Anja noch überfordert, dann Wellen die meinten sie müssten sich auf 1,5 Meter aufbauen – eine totale Schaukelei und das sind jetzt die tollen Erlebnisse eines Seglers?! Man kommt schon ins Grübeln, ob diese Investition die Klügste war. Vor allem, weil alle ein wenig Seekrank wurden. Ganz doll hatte es den Piet erwischt – er hat dann auch nach 7 Stunden die Fische gefüttert. Bei Marc war es nur ein kurzer Augenblick, bei mir ging es schon über 30 Minuten. Aber die netten kleinen Tabletten halfen.
Wetter wurde schlechter, Wind war gegen uns und dann um Engelsmannsbanke kriegt man schon Manschetten …. Untiefen, die einen nicht aus dem Haarsträuben herauskommen lassen. Aber auch das haben wir wieder toll gemeistert und sind dann noch in den Hafen von Laesö (Osterby Havn) eingelaufen und hatten einen ganzen Steg für uns alleine, aber auch das half mal wieder nix beim Hafenmanöver. Wir üben halt noch – und Gott sei Dank hat irgendjemand Schlaues Fender entwickelt: DANKE!!!
Jette macht das echt toll mit. Sie ist doch ein Seehund.
Völlig geschafft sind wir – nachdem wir „Klar Schiff gemacht“ hatten und ein wenig gegessen hatten – tot ins Bett gefallen. Es reichte nicht mal mehr dazu, dass Logbuch zu füllen.
Laesö ist echt eine Reise wert, das stellten wir am nächsten Morgen fest. Tolle Anlage, schöner Hafen, frische Brötchen und nette Leute. Die sanitären Anlagen sind ein Traum – Fußbodenheizung bis in Dusche. Total sauber und Duschen mit richtig heißem Wasser ist einfach geil!

Piet hatte mittlerweile die Nase voll vom Segeln und so mussten wir schon mit Engelszungen reden, ihn nicht ins Flugzeug steigen zu lassen, um nach Deutschland zu fliegen. Unabhängig davon, dass von Laesö kein Flugzeug geht, hätten wir ihn ja auch nicht weggelassen.

Neuer Tag – neues Glück! Und so war es auch! Unser 20. Hochzeitstag begann mit blauem Himmel, strahlendem Sonnenschein, angenehmen Temperaturen. Wieder um 10.00 Uhr hieß es „Leinen klar“ und raus aus dem Hafen von Laesö – auch hier war die Herausforderung das Hafenmanöver. Der Wind drückte uns gegen den Steg und weder Back- noch Steuerbord rückwärts schafften uns frei zu kriegen. Es wurde wieder eng – danke den Feder-Erfindern. So blieb die Bellis unbeschadet. Auch Laesö ist extrem mit Untiefen umgeben, Stellnetze und Wellen von vorne! Sollte es so weitergehen, wie es am Vorabend geendet hat?!?
NEIN!!! Zwar sind wir die Insel unter Motor umfahren, aber dann – nach ca. 3 Stunden wurden die Segel gesetzt und Marc und ich finden auch beim Segeln gute Balance. Die Manöver klappen reibungsloser und so langsam habe ich eine Idee davon, was mein Job ist ;o))).Und dann war es einfach nur toll – Westwind brachte uns bei bis zu 7,4 Knoten extrem schnell voran. So kamen wir in der Fahrrinne von Hals an der dänischen Ostseeküste 1,5 Stunden früher an, als geplant. Allerdings war die Fahrrinne der absolute Hit und wieder einmal bekamen wir den Wind und die Wellen von vorne. Marc bekam dabei ganz schön Wasser ins Gesicht. Im übrigen ist diese Einfahrt nicht vergnügungssteuerpflichtig. Die Fahrrinne ist in Ordnung, aber rechts und links davon sind tw. nur 60 cm Tiefe – die Sandbänke und alte Wracks schauen aus dem Wasser raus – ganz schön ermutigend für eine so blutjunge Segelcrew. Aber auch das haben wir wieder geschafft. Und dann kam – Ihr ahnt es schon – richtig: das Hafenmanöver.
Wer erlaubt eigentlich so kleine Boxen??? Da steht im Hafenhandbuch extra für große Yachten! Ja, denken denn die Dänen so klein? Wir sind doch gar nicht so groß, aber die Box war echt klein und eng. Also nach einem wunderschönen Segeltag und drei glücklichen Seglern, war dies wieder die absolute Herausforderung – aber wir werden besser.
Hals ist ein wunderschöner Hafen – total süßer Ort mit tollen dänischen Häusern. Zur Feier des Tages sind wir hier noch toll essen gegangen und so kommt es, dass ich jetzt hier sitze und Euch schreibe: von diesem tollen Tag!
„Danke“ dafür.
Müde, aber glücklich gehen wir gleich in die Koje. Der Wind briest auf und für morgen ist schlechteres Wetter angesagt, so dass wir darauf eingestellt sind einen Ruhetag einzulegen. Dafür hätten wir es viel schlechter treffen können als hier in Hals.
Also seid alle lieb gegrüßt und drückt uns weiter die Daumen!
Marc, Piet, Jette und Anja

Zur Werkzeugleiste springen