Tag 6

Tag 6
Pünktlich aufgestanden und doch hat es bis 8.15 Uhr gedauert bis wir unser Ablegemanöver eingeleitet haben. Das hat vorbildlich geklappt und so freuten wir uns auf einen schönen Segeltag. Unter Motor dann raus aus dem Hafen und die Untiefen noch umschifft. Pünktlich um 8.45 Uhr wurde dann die Genua ausgefahren, vor uns lagen 53 sm – unser Ziel: Juelsminde. Eigentlich sollte unser nächster Stopp die Insel Tunö sein, die zwischen dem Festland und der Insel Samsö liegt. Da wir jedoch 2 Tage in Grenaa unterbrechen mussten, brauchen wir jetzt ein paar mehr Seemeilen auf unserer Streckenplanung – also Route um 13 sm verlängert.

Zu erst klappte es auch ganz gut mit dem Segeln, aber irgendwie war der Wind nicht beständig und drehte immer mehr Richtung Süd, hinzu kamen noch sehr unangenehme Böen, die unsere Bellis bis über 45° kränken ließen. Laut Marc für die „Bellis“ und ihn kein Problem … aber für mich! Sitze vor dem Garmin (Seenavigationsgerät/Plotter), halte mich krampfhaft fest, sehe durch das mittlerweile unter mir liegende Kajütfenster auf der gegenüberliegenden Seite und sehe das Wasser immer schön fleißig über unsere Reling laufen. Dann die Böen, die gar nicht aufhören. Lieber Gott, wann kommt der nächste Moment, wo sich die Bellis wieder in eine normale Kränkung bewegt????
Marc hat ein Einsehen und holt die Genua ein und startet nach gut 3,5 Stunden „Segeln“ (ca. 20 sm) den Motor. Mittlerweile kam der Wind genau aus Süd, also der Richtung wo wir hin wollten. Wellen, Wind und Böen von vorne, das Wasser spritzt auf die Scheibe und die Sprayhood. Marc klatscht das Wasser ins Gesicht, Piet und ich sitzen unter der Spayhood, die aber ihren Widerstand gegen das Wasser dann auch nach 3 Stunden aufgab und das Wasser durchtropfen ließ. Aber immer noch besser als auf dem Platz von Marc. Ab und zu kamen uns Segler aus Süd entgegen, denen man den Spaß am Segeln förmlich ansehen konnte. Kaum vorstellbar, dass es an ein- und derselben Stelle so unterschiedliche Perspektiven auf das „Segeln“ gibt. Wir stampfen gegen die Wellen an, Wellenkamm … die Bellis taucht tief ein, um im nächsten Moment wieder oben am Wellenkamm nach vorne zu schauen. Einzig der Wille heute Juelsminde zu erreichen treibt uns vorwärts. Piet ist total toll, er nimmt das alles völlig gelassen. Verbringt sogar die letzten 3 Stunden unter Deck und hat Spaß (Elektronik sei Dank).
Nach 12 Stunden erreichen wir Juelsminde. Unser Plan längsseits an der Mole anzulegen war bereits morgens vorgesprochen worden. So bereiteten wir denn auch alles 1 sm vor dem Hafen dafür vor: Fender alle an die Steuerbordseite, Leinen hinten und vorne klar. Anja wusste, was sie zu tun hatten – Marc trug die Verantwortung!
Rein in den Hafen und … oh nein, die Mole ist voll belegt … oh je, schon wieder in so eine Box??????
Tja und so gurkten wir so ein bisschen im Hafen herum, der extrem groß und voll schien. Oh je, lieber Gott bitte nicht schon wieder so eine enge Box!!!!
Und dann sahen wir sie … unsere Box (3-4 Boxen waren frei). Sie war mindestens 4 Meter breit und 14 Meter lang – wie für uns gemacht ;o). Strategie vom Vorabend ausgepackt, Anja in der Mitte des Schiffs, mit der Heckleine in der Hand, den hinteren Backbordpfahl ins Visier genommen und übergeworfen. Auf Anhieb geklappt – Marc hält die Bellis stabil. Anja nach vorne gewetzt mit der Backbordbugleine in der Hand – und schon wieder so ein tiefer Steg. Egal, ob ich mir die Haxen breche oder nicht, dieses Hafenmanöver muss einfach ein Erfolg werden!!! Mit einem beherzten Sprung über den Bug, die Leine fest in der Hand und am Stegpfahl festgemacht. Wir sind stabil und nirgendwo angedockt. Juchuuu, Marc übernimmt mit tatkräftiger Unterstützung von Piet – er macht seinen Job wirklich toll! Innerhalb der nächsten 30 Minuten sind wir vollständig fest und Marc und ich gehen mit Jette spazieren (im Übrigen segelt sie auch viel lieber, als das sie unter Motor fährt), lösen die Liegegebühr und ziehen uns die bereits bekannten Hafenkarten. Hier sind die Liegegebühren vergleichsweise günstig nur 160 DKK für eine Nacht, dafür ist aber kein Strom enthalten, diesen muss man über einen Automaten am Steg über Hafenkarte kaufen – 10 KW für 25 DKK. Wenn wir gerade bei den Kosten sind: Duschen auch der obligatorische Preis, aber nur noch 3 Minuten. Je südlicher wir kommen, verkürzen sich die Duschzeiten (hatten wir in Laesö noch 5 Minuten Zeit für 10 DKK sauber zu werden, waren es in Hals und Grenaa noch 4 Minuten – wie gut dass wir in spätestens 3 Törns in unserem Heimathafen sind, sonst würden wir der Regel folgend für 10 DKK 0 Minuten duschen dürfen).

Wir haben noch einen kurzen Blick in den Hafen von Juelsminde geworfen – wirklich ein sehr schöner Ort, in dem wir nicht das letzte Mal waren. Die Anstrengungen dieses Tages aber forderten ihren Tribut. Noch eine heiße Hühnersuppe mit Nudeln und Brot verdrückt, kleines Gläschen Rotwein (natürlich nur Marc und Anja) und dann gegen 22.30 Uhr todmüde ab ins Bett (Anja). Marc und Piet haben noch länger durchgehalten – bei ihnen ging das Licht erst gegen 23 Uhr aus. Gute Nacht!

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