Tag 8

Trotz schlechter Windvorhersage machen wir uns auf den Weg, da die Zeit so langsam knapp wird und vor allem für die kommenden 2 Tage Sturmwarnungen herausgegeben wurden. Also nichts wie noch einmal schön duschen für 30 DKK, unser super Fischfrühstück und schon ging es dran, die Bellis seeklar zu machen. Alles in allem dauerte es bis ca. 09.30 Uhr und standen vor unserem allseits beliebten Ablegemanöver. Wie das vonstatten geht? 3 Steinkühlers stecken die Köpfe zusammen und besprechen Punkt für Punkt in der chronologischen Abfolge, wer, was zu machen hat. Und wen wundert es nun, dass das Ablegemanöver ein voller Erfolg war?!? Super raus aus der Box und dem Hafen – wieder in Ansteuerung auf die Kardinaltonne Südumfahrung mit gradlinigem Kurs auf Frederica. Eines noch zur Kardinaltonne – das sind ja die, die vor Untiefen oder gefährlichen Schifffahrtshindernissen warnen und die sichere Umfahrung ermöglichen sollen. Wer in Gottes Namen hat denn diese „Tonnen“ zugelassen? Und, das darf man eigentlich so gar nicht nennen (Tonnen), weil es ist ja teilweise nur ein armdicker schwarz-gelber Stecken, dem das Toppzeichen meist auch noch völlig scheep herunterhängt, wenn es überhaupt noch da ist. Da loben wir uns doch sehr die Back- und Steuerbordtonnen, die kann man zumindest mehr als 50 Meter weit sehen.

Doch wieder zurück zu unserem Törn von Juelsminde nach Assens! 38 Seemeilen liegen vor uns und die große Hoffnung doch endlich mal wieder zu segeln. Und was macht das Wetter bzw. der Wind???? Ich kann Euch das sagen. Gefühlte 27 mal in 2 Stunden kam von meinem Kapitän immer wieder: „Und der Wind kommt wieder voll von Süd“ (also von vorn). Was hieß das für uns wiederum …. unter Motor gegen die Wellen anstampfen …. rauf, runter, rauf, runter. Oh nein, so hatten wir uns unsere Überführung der Bellis wirklich nicht vorgestellt. Gott sei Dank war heute das Wetter gnädiger. Wir hatten Sonnenschein und die Dünung und Wellen waren nicht so hoch wie die Vortage. Insofern war das Motoren sicherlich nicht toll, aber auszuhalten.

Auf der Hinfahrt im Auto bei Frederica, haben wir Piet noch von der Brücke herunter auf die Ostsee gezeigt und gesagt: „Auf der Rückfahrt mit der Bellis fahren wir hier durch!“ Und da waren wir nun, nicht segelnd aber zumindest unter der Brücke. Hier ging es jetzt im Zickzackkurs durch 2 Brücken mit heftigem Querwasser und starker Strömung und vielen Seglern, die von Süd nach Nord SEGELTEN und zu allem Übel durften wir denen auch noch ausweichen (als Maschinenfahrzeug). Das Leben kann doch manchmal grausam sein.

Ab Faenö aber hatte der Wind ein Einsehen mit uns und wir fuhren die Genua voll aus, Motor aus und ab dafür. Die nächsten 20 Seemeilen gehörten der Bellis und ihrem Spiel mit dem Wind. Bei 4 -5 Windstärken, Böen 6 machte die Bellis wieder zwischen 6 und 7 Knoten und glitt dahin, wofür sie geschaffen ist. 2,5 Honigkuchenpferde in der Pflicht (Marc, Anja und Jette – die auch – ich schrieb es bereits, viel lieber segelt als motort. Piet hatte es sich unter Deck gemütlich gemacht und hat wohl mitbekommen, dass wir jetzt segeln, fand es aber schöner unten zu bleiben.

Und so liefen wir gegen 17.00 Uhr in den Hafen von Assens ein. LANGSAM, sehr, sehr LANGSAM. Wir wussten, dass es für die Gastlieger einen langen Steg gleich zu Beginn des Hafenbeckens geben sollte. Also hatten Marc und ich bereits alles für ein Steuerbordanlegmanöver vorbereiten – wie wissen ja jetzt wie wichtig das ist. Fahren in den Hafen rein … und was soll ich Euch schreiben, haben die Idioten doch wieder Boxen installiert. Zu Anfang so hohe Pfähle, dass wir da gar nicht rankommen, die etwas tieferen Pfähle lagen weiter hinten, da sollte doch aber das Wasser viel flacher sein (2 Meter). Uns so kam es, dass die Bellis Pirouetten im alten Hafenbecken von Assens tanzte.
Alles umorganisiert, uns gegenseitig immer Ruhe zusprechend haben wir uns zielsicher eine „grüne“ Box ausgesucht. Der Wind kommt wieder voll von der falschen Seite – schon wieder SÜD.

Das Anlegemanöver hat insgesamt 45 Minuten gedauert, wir haben quergelegen, aber es aus eigener Kraft und mit guter Strategie geschafft, das Bug auch Richtung Steg zu bewegen, so dass ich dann auch rüberspringen und die Leine am Festmacher anlegen konnte. Nun sollten das ja alles Gastliegeplätze sein (grün) und um so verwunderter waren wir dann, als wir auf einem „roten“ Platz lagen. Schilder und Dalben passten irgendwie gar nicht zusammen und waren „leicht“ (total untertrieben) versetzt. Wisst Ihr eigentlich wie toll und funktional so eine Winsch ist?!
Kurzum um 18.00 Uhr lagen wir in unserer Box ohne eine einzige Blessur und Ihr hättet 3 stolze Seeziegen über alle Backen grinsen und gratulieren sehen können. Jette hat sich dezent aus diesem Manöver rausgehalten.

Marc und ich sind dann wieder gleich ins Hafenkontor, Liegegebühr bezahlt, Hafenkarte gezogen und mit der Jette noch an den Ostseestrand von Assens. Wir wissen nun, warum diese Gegend die „Dänische Südsee“ genannt wird. Leute, dass ist einfach ein Traum. Es scheint, als ob wir lagunenfarbenes Wasser haben, dass sich in seichten Buchten hinschlängelt, blauer Himmel, Sonnenschein, wenig Wind … und es war warm!!!!

Selig sitzen wir nun nach „Spaghetti Bolognese“ hier, trinken wieder mal ein schönes Glas Rotwein und lassen diesen wunderschönen Segeltag ausklingen.
In diesem Sinne, setzt Euch in die Sonne und trinkt einen – entweder auf Euch oder auch gerne auf uns!

Liebe Grüße von der Bellis-Crew

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